Kieler Strandkinder werden zu Abfallexperten

 

Kita:                      Strandkindergarten Falckenstein

Ort:                        Kiel, Schleswig-Holstein

Größe:                   66 Kinder

Träger:                  Arbeiterwohlfahrt

Hompage:            www.awo-kiel.de/kinder-jugendliche-eltern/kinderbetreuung/kinderhaeuser/strandkindergarten

 

Der Strandkindergarten der Arbeiterwohlfahrt an der Ostsee zeigt, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt auf Zeit zum Programm auf Dauer werden kann: Das Team hat sich neben vielen anderen Themen vor allem dem Thema Abfall verschrieben. Wir werfen einen Blick auf die Auszeichnung als KITA21 im Jahr 2015 und was danach geschah.

Alles begann im September 2014: Das Team des Strandkindergartens in Kiel erhielt eine Anfrage zur Teilnahme am „Coastal Cleanup Day“. Seit über 30 Jahren findet dieser jährlich im September statt. An Meeren, Flüssen und Seen weltweit kommen Menschen zusammen, um Abfall zu sammeln. Zusammen mit allen 66 Kindern schlossen sich die Pädagoginnen und Pädagogen an und sammelten Abfälle in großen Tüten an einem Strand nahe Kiel, den die Kita ihr Zuhause nennt. Damit entstand der Bezug zu einem Thema, dass dem Team, den Eltern und den Kindern ohnehin sehr am Herzen liegt. Der gesammelte Abfall wurde nach dem Aufsammeln gewogen und sortiert. Die Auswertung der Daten erhielten alle Familien schriftlich. Es folgten der gemeinsame Besuch einer Ausstellung im Geomar-Helmholtz-Zentrum und des Ostsee-Info-Centers in Kiel, um weitere Facetten des Themas kennenzulernen. Seit diesem Tag nehmen die Strandsprösslinge jedes Jahr teil.

 

Von Neugierigen zu Experten

 

Abfall mit seiner Herkunft und Zusammensetzung, den Möglichkeiten seiner Vermeidung und Entsorgung ist ein weitläufiges Thema, das für Bildungsarbeit im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mit Kindern jeden Alters vielfältige Anknüpfungspunkte bietet. Die Pädagoginnen und Pädagogen des Strandkindergartens boten den Kindern neben der Beteiligung an der Sammelaktion ganz unterschiedliche Lernzugänge an, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zum Beispiel konnten die Kinder die Beschaffenheit von dem Abfall, den sie gesammelt hatten, in Experimenten erfahren. Sie befüllten Schalen mit Ostseewasser und unterschiedlichem Abfall und beobachteten die Schalen im Verlauf mehrerer Wochen. Die Kinder stellten fest, dass besonders die Plastikbestandteile unverändert blieben, wohingegen ein Apfelbutzen brauner und Zigarettenkippe nur größer wurden. Die Erkenntnis: Bestimmte Abfälle bleiben im Meer lange bestehen.

 

Und die Kinder kamen ins Nachdenken: Was passiert eigentlich mit Tieren, wenn sie Abfälle fressen? Zu der Erkenntnis, dass Plastikmüll für Tiere schädlich sein und dass dieses über die Tiere sogar in unsere eigenen Körper gerat kann, wenn wir sie essen, kamen die Kinder von selbst. Konsequenterweise kam auch die Frage auf, wer eigentlich den Müll an den Strand wirft. Die Kinder waren überzeugt, dass viele Menschen durch Aufklärung ihr Verhalten verbessern könnten – und schon war die Idee eines Flyers geboren, den die Kinder mit ihren Erzieherinnen und Erziehern entwarfen und in einer Kieler Einkaufsstraße an Passantinnen und Passanten verteilten.

Wie das tägliche Händewaschen

 

Im Jahr 2015 zeichnete die S.O.F. Save Our Future – Umweltstiftung den Kindergarten für sein Engagement für Nachhaltigkeit erstmalig als KITA21 aus. Doch was hat sich seit der Auszeichnung am Strand getan? Wie hat sich das Thema Abfall in der Kita weiterentwickelt und wie nehmen die Kinder das Thema heute wahr?

 

Gemeinsam mit der Leiterin Cordula Steinke haben wir einen Rückblick auf die letzten Jahre geworfen und sie hat beeindruckende Nachrichten: Nach wie vor sammeln die Pädagoginnen und Pädagogen mit den inzwischen 66 Kindern gemeinsam Abfälle am Strand. Mit Greifzangen und Mülltüten sind sie immer bestens ausgerüstet. Alle Kinder und Fachkräfte packen freiwillig und mit großem Spaß an.

 

Doch beim Sammeln sei es nicht belassen, sondern „es klickt bei den Kindern von ganz allein“. Besonders die Aufklärung der „Großen“ liegt den Kindern besonders am Herzen. „Die Kinder haben keine Scheu, andere Leute anzusprechen, wenn sie Müll liegen lassen“, berichtet Cordula Steinke. „Einmal haben die Kinder sogar Taschenaschenbecher an die Raucher am Strand verteilt.“ Bis heute verteilen sie die Flyer, die sie seit dem ersten Entwurf vor drei Jahren stetig aktualisieren. „Alles was wir damals gemacht haben, ist heute Alltag wie das tägliche Händewaschen“, sagt sie. Auch die Vermeidung und richtige Entsorgung von Abfall steht bei Kindern und Eltern auf der Tagesordnung. Daher bringen die meisten Kinder ihren Proviant in Brotdosen mit und werfen ihren Abfall wie selbstverständlich in die richtige Tonne.

 

Mit großen Schritten weiterlernen

 

Mit dem Thema Abfallvermeidung haben sich die Strandkinder auf ein Herzensthema geeinigt: Den Strand, an dem sie ihre Zeit verbringen, wollen sie schützen und bewahren. Darüber hinaus spielen aber auch andere zukunftsrelevante Themen im Kita-Alltag eine wichtige Rolle: So erfahren alle Kinder beim Keschern das Meer als Lebensraum. Manche Tiere schaffen es in das Ostseeaquarium des Kindergartens, wenn sie klein genug sind und sich mit den anderen Tierarten vertragen. In einem zugemieteten Garten bauen die Kinder seit drei Jahren eigens ausgewähltes Gemüse und Obst an, um dieses gemeinsam zu verarbeiten. Ein Kräuterhochbeet, ein Insektenhotel und Vogelfutterstationen sind hier bereits zu finden. Im Bereich Mobilität zeigt die Kita besonders viel Einsatz: Ein Bustransfer sorgt dafür, dass alle Kinder morgens in die Kita gebracht und nachmittags wieder in die verschiedenen Stadtteile Kiels zurück gefahren werden – eine hohe Anzahl von Autofahrten wird so verhindert. Da der Strand etwas außerhalb der Stadt liegt, ist diese Maßnahme zweifellos äußerst umweltschonend.

 

Saubere Zukunftsaussichten

 

Der Müll an den Ostseestränden wird vermutlich nie ganz verschwinden – aber Einrichtungen wie der Strandkindergarten gehen es an, finden neue Wege und lassen das Thema nicht aus dem Blick. Manches ist in Bewegung gekommen erzählt Cordula Steinke: „Früher war der Strand wild und verschmutzt, jetzt wurde ein spezieller Hundestrand abgegrenzt und Mülltonnen wurden aufgestellt. Insgesamt hat er sich gut entwickelt.“

Download
Den Flyer, den die Kinder entworfen haben, gibt es hier zum Download.
Flyer_Müll in der Ostsee.pdf
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