„Wie entsteht ein Ton?“
„Warum klingt Holz anders als Metall?“
„Was ist mein Lieblingslied?“
Solche Kinderfragen bilden den Ausgangspunkt für Lernprozesse im Bildungsbereich der ästhetischen Bildung. Kinder können Musik im Alltag ganz unterschiedlich erleben – sie klatschen, singen, lauschen Wind und Regen oder trommeln auf dem Tisch. Hier liegt eine große Chance, Lernprozesse im Sinne von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) anzustoßen: So wird für Kinder (und natürlich auch für Erwachsene) erfahrbar, warum Musik ohne Energie nicht möglich wäre, welche Holzarten für eine Flöte infrage kommen, warum auch in einer Trommel Wasser steckt und weshalb Musik Balsam für unsere Seele und die Gemeinschaft ist.

Wie können wir ästhetische Bildung also mit den klassischen Handlungsfeldern einer nachhaltigen Entwicklung wie Ressourcenschutz, Wasser, Müll oder Energiesparen verknüpfen und für Kinder Lernerfahrungen anregen?
Dieser Methodentipp präsentiert vielfältige Impulse: Im Folgenden stellen wir Ihnen anhand einiger Beispiele vor, wie Sie Musik gemeinsam mit den Kindern im Sinne von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zunächst entdecken, dann Zusammenhänge begreifen und schließlich ins Handeln kommen können.
Entdecken „Unsere Welt klingt – und wir sind ein Teil davon“:
- Geräusche im Alltag und in der Natur sammeln, z.B. bei einem Klangspaziergang
- Lauschen: Was klingt laut, leise, schnell, langsam? Klänge vergleichen (Holz, Metall, Plastik)
- Verschiedene Musikstile und Instrumente kennenlernen, sie gemeinsam ausprobieren und sich dazu bewegen
- Lieder und Klänge aus Familien und verschiedenen Kulturen einbeziehen
- Womit wurde früher Musik gemacht? Wie klang Musik früher? Wie wird sie zukünftig klingen?
- Lieblingslieder zusammentragen, anhand von Bildkarten visualisieren
- Philosophieren mit Kindern, z.B. zur Frage „Wie klingt Freundschaft?“
Begreifen „Wirkungszusammenhänge kennenlernen: Wie Klang, Energie und Ressourcen verknüpft sind“:
- Woraus bestehen verschiedene Instrumente? Gemeinsam forschen
- Materialien kennenlernen: Woher kommen Instrumente? Was passiert, wenn wir sie nicht mehr benötigen? Kreisläufe erkunden und Wege nachvollziehen, z.B. mit Weltkarten, mit Materialien experimentieren
- Ist Musik umsonst? Erkunden, wann Musik etwas kostet
- Brauchen wir Strom, um Musik zu machen? Energiepaare finden (E-Gitarre vs. Gitarre, Klavier vs. E-Piano,…)
- Recherchieren: „Wie entsteht ein Ton?“
- Welche Berufe haben mit Musik zu tun?
- Ausflüge und Bildungspartner*innen einbinden, z.B. Musikschulen/Musikvereine, Museen
- Warum machen Menschen Musik? Macht Musik gesund? Über Gefühle und Musikstile sprechen, Anlässe für Musik (z.B. Feste, Rituale) recherchieren
- Sprichwörter mit Musik: „Der Ton macht die Musik“ oder „Hier spielt die Musik“ und ihr Ursprung
Handeln „Selbst wirksam werden: Musik gestalten und Ressourcen schützen“:
- Instrumente aus Alltagsmaterialien bauen (Upcycling), Bezugspersonen einladen Materialien mitzubringen
- Konsum hinterfragen: Was brauchen wir wirklich? Welche Materialien wollen wir in unsrer Kita nutzen? Angebote von Bücherhallen nutzen als Alternative und/oder zur Recherche, innerhalb des Trägers große Musikinstrumente und Tonträger tauschen
- Gemeinsam musizieren, singen, tanzen: Themen wie Natur, Freundschaft oder Zusammenhalt werden musikalisch aufgegriffen
- Selbst Lieder und Bewegungen zur Musik erfinden
- Kleines „Klangkonzert“ gestalten und Interessierte einladen, Kinder dokumentieren ihre Musikprojekte mit Bildern, Klängen oder Plakaten.
- Regeln für achtsames Musizieren entwickeln
- Gemeinsam bewusst entscheiden: Musik machen ohne Strom
- Dokumentation: Musikprojekte in der Kita sichtbar machen
Musik ist mehr als Klang. Sie hilft Kindern, die Welt zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und gemeinsam zu handeln – spielerisch, kreativ und nachhaltig. Mit diesen Impulsen lassen sich vielfältige Lernzugänge (z.B. Erfahrungen mit allen Sinnen, Bastelprojekte, Mediennutzung) und dauerhafte Bildungsanlässe (z. B. Upcycling- oder Reparaturwerkstatt, regelmäßige Konzerte) schaffen, auch im Kontext der vier Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung: ökologisch, z. B. Materialien kennenlernen, ökonomisch, z.B. Berufe/Herstellung erkunden, sozial: z.B. Gemeinschaft erleben und kulturelle Bedeutung, z.B. Musik(-instrumente) früher und heute/hier und anderswo, entdecken.
Hinweis: Die Impulse lassen sich im Sinne der BNE-Methodenvielfalt unterschiedlich in verschiedene Projekte und Bildungsanlässe integrieren um alle Sinne anzusprechen: Wie klingt beispielsweise Energie? Können wir Wasser in seinen unterschiedlichen Aggregatszuständen als Klänge darstellen?
Bildungsleitlinien & BNE im Blick
Dieser Methodentipp orientiert sich an den Hamburger Bildungsleitlinien „Perspektive Kind“. Ausgangspunkt sind die Interessen, Fragen und Ausdrucksformen der Kinder. Sie gestalten den Lernprozess aktiv mit und erleben sich als wirksam. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist dabei das Leitmotiv: Es geht nicht um einzelne Nachhaltigkeitsthemen, sondern um einen Perspektivwechsel im täglichen Tun.
Weitere BNE-Praxisberichte zu den Themenfeldern Ernährung, Wasser, Abfall, Boden oder Energie.
Ergänzende Beispielen finden Sie in unseren Publikationen.

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