Vom Waldkind zum Wasserforscher

 

Kita:                      Die Waldkinder Hamburg

Ort:                        Berne, Hamburg

Größe:                   25 Kinder, 4 pädagogische Fachkräfte

Träger:                  Die Waldkinder Hamburg gGmbH

Hompage:            www.waldkinder.org

 

Für den Naturkindergarten „Die Waldkinder Hamburg“ im Hamburger Osten, ist Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) kein Fremdwort. Mit der Devise „Was ich kenne, das schütze ich!“ wird BNE nicht nur im Alltag des Naturkindergartens gelebt, sondern ist zudem auch ein fester Bestandteil des naturpädagogischen Konzeptes der Einrichtung. Wir haben uns den Naturkindergarten mit seinem besonderen Bildungskonzept einmal genauer angeschaut und vor allem ein Blick auf ihr letztes KITA21-Projekt geworfen.

 

Bilder: Sylke Greß
Bilder: Sylke Greß

Erfahrungswelt „Wald“

 

Der schonende Umgang mit natürlichen Ressourcen und mit der Natur strukturiert den Alltag der Waldkinder und bildet die Basis des Konzepts: „Unser Ansatz, mit den Kindern die Natur zu erforschen, sie kennenzulernen, sie mit allen Sinnen zu begreifen, ist uns ein großes Anliegen. Denn wer die Natur so kennengelernt hat, wird sie sein Leben lang schützen“, sagt Sylke Greß, Leiterin des Naturkindergartens. So verbringen die Waldkinder den größten Teil des Tages draußen. Fünf verschiedene Waldplätze im Berner Gutspark und im Berner Wald werden je nach Wetterlage von den Waldkindern und den Pädagogen*innen angesteuert. Wenn es für den Wald zu stürmisch ist, werden die angrenzenden Wiesen oder (eher selten) einer der umliegenden Spielplätze aufgesucht. Zum Mittagessen, wenn es draußen zu kalt ist oder bei einem Unwetter, stehen dem Naturkindergarten die Räumlichkeiten des Bauspielplatzes im Berner Gutspark zur Verfügung.

Bilder: Sylke Greß
Bilder: Sylke Greß

Lernen in Projekten

 

Ob Spinnen-, Theater- oder wie in diesem Jahr das Wasserprojekt – Projektarbeit ist fester Bestandteil des Naturkindergartens, die Pädagogen*innen bezeichnen sich in dieser Hinsicht selbst als „Überzeugungstäter“. Im Rahmen des KITA21-Projektes haben sich die vier pädagogischen Mitarbeitenden und die 25 Waldkinder in einer zweimonatigen Projektphase auf vielfältige und partizipative Weise mit dem Element Wasser auseinandergesetzt. Anlass der Bildungsarbeit war ein wiederkehrendes Phänomen: „Beim täglichen Händewaschen kam es immer wieder zu der Situation, dass die älteren den jüngeren Kindern vorwarfen, sie seien „Wasserverschwender“ und ihnen den Wasserhahn abdrehten. Dieser Vorwurf führte aber zu keiner Verhaltensveränderung, sondern hinterließ lediglich ein großes Fragezeichen bei den Jüngeren. Denn was ist ein Wasserverschwender und was kann man tun, um kein Wasserverschwender zu sein?“, so Sylke Greß.

 

Bild: Sylke Greß
Bild: Sylke Greß

Die Waldkinder und das Wasserprojekt

 

Mit dem Thema „Wasser bei uns im Kindergarten und zu Hause“ wurde der Weg in die Projektarbeit geebnet. Auf dem Bauspielplatz gingen die Waldkinder auf die Suche nach Wasserleitungen und Wasserverbrauchern. Und auch zuhause begaben sich die Kinder mit ihren Eltern auf Wasser-Entdeckungsreise. Das Entdeckte wurde durch Fotos und mithilfe von gemalten Bildern dokumentiert, die dann zurück in den Räumlichkeiten des Bauspielplatzes mit allen Kindern im „Kindergartenkino“ über einen Beamer angeschaut und besprochen wurden. Die gemeinsame Begehung warf aber auch neue Fragen auf: Was passiert mit dem schmutzigen KITA-Wasser und wie wird eine Säuberung vorgenommen? Zu diesen Fragen bauten die Waldkinder z.B. einen kleinen Wasserfilter: „Uns ist es wichtig, die Kinder bei unserer Bildungsarbeit durch Experimente zum Denken anzuregen, um dadurch theoretisches Wissen erfahrbar zu machen.

 

Bild: Sylke Greß
Bild: Sylke Greß

Dadurch dass sich eine Frage an die nächste knüpfte, zog sich ein roter Faden durch die Bildungsarbeit, der es den Kindern ermöglichte, das Thema Wasser in all seinen Facetten zu erleben. Gleichzeitig blieb ihnen genügend Freiraum für das eigene Entdecken. Neben zahlreichen Experimenten wie z.B. zur Versickerung von Regenwasser, wurden auch globale Aspekte beleuchtet. Gesprächsrunden zur weltweiten Wasserverteilung aber auch das gemeinsame philosophieren über virtuelle Wassermengen wurde in die Bildungsarbeit mit einbezogen. Bei einem Ausflug in die nahegelegene Einkaufsstraße erkundigten sich die Waldkinder zudem in den Geschäften nach dem Wasserverbrauch der dort angebotenen Produkte.

 

Durch den Besuch einer Oma eines der Kinder als „Zeitzeugin“ war ebenfalls eine historische Auseinandersetzung mit dem Thema vorhanden. Gemeinsam haben sie sich auf Zeitreise begeben und Wäsche gewaschen, wie es vor 60 Jahren üblich war: Mit Seife und Waschbrett. Neben der Besichtigung eines Wasserwerkes wurde zudem eine Bachpatenschaft zum Leben erweckt, die zukünftig helfen soll, das Thema Biodiversität in den Fokus zu nehmen. „Müllkontroll- und Sammelgänge“ im Wald und rund um den „Waldkinder-Bach“, sowie die Teilnahme an der Aktion „Hamburg räumt auf!“ gehören bereits seit Jahren zur Routine – und stellen eine Verknüpfung zum Thema Abfall, Umgang mit Abfällen und Abfallvermeidung her. „Die Kinder sind immer wieder begeistert dabei, aber gleichzeitig entrüstet darüber, wie viel und dass überhaupt Müll in die Natur geworfen wird“, sagt Sylke Greß über das Engagement ihrer Waldkinder.

 

Kleine Wasserforscher ganz groß

 

Die Floskel „Du bist ein Wasserverschwender“ konnte durch das Projekt der Waldkita mit Inhalten gefüllt werden, sodass jetzt alle Kinder wissen, was damit gemeint ist. Bei den Waldkindern konnten nach dem Projekt auch einige Verhaltensänderungen im Umgang mit Wasser beobachtet werden, wie beispielsweise eine Regulierung der Wassermenge beim Händewaschen. Der Waldkindergarten ist vor kurzem mit zehn neuen Waldkindern sowie zwei neuen Pädagogen*innen ins neue Kindergartenjahr gestartet. „Die Kinder, die am Wasserprojekt teilgenommen haben, zeigen den neuen Waldkindern nun, wie man sich die Hände so waschen kann, dass man wenig Wasser und wenig Seife verbraucht. Sie zeigen, kontrollieren, erklären und verbessern es täglich. Dadurch wird uns Pädagogen*innen bewusst, was wir in der „alten“ Gruppe schon erreicht haben. Wir bleiben dran!“